Von: Jan
Am: 26. November, 2009

Anubias gracilis – mit emerser Blüte

Viele der im Handel angeboteten Aquarienpflanzen wachsen in der Natur emers (an Land) oder semiemers (Wurzeln unter Wasser, Rest über Wasser). Sie werden sogar emers produziert, stehen also in den Produktionsstellen über Wasser. Erst kurz bevor sie an uns “Konsumenten” gelangen, werden sie vom Fachhändler unter Wasser gesetzt und so umkultiviert.

Hat man keine Möglichkeit, gleich an emerse Exemplare zu gelangen, und möchte man Wasserpflanze XY aber als Terrarienpflanze, muss man die Pflanze selbst wieder umkultivieren. Das kann sehr aufwendig, manchmal sogar sehr schwierig sein. Aber vor allen Dingen ist es langwierig.

Ich postuliere hier zwei Methoden, wie man Aquarienpflanzen wieder zu Terrarienpflanzen machen kann:

1. “Aktive Umkultivierung” – kurz erklärt: man pflanzt mehrere Exemplare gemäss ihrer Bedingungen direkt ins Terrarium. Nun wird es nötig, dass man fast den ganzen Tag anwesend ist und die Pflanze(n) regelmässig mit kalkarmen Wasser besprüht. Gut funktionieren soll auch, wenn man eine Düse einer Beregnungsanlage so installiert oder justiert, dass man diese Sprüh-Arbeit nicht selbst hat. Dennoch muss man mehrmals täglich “das Projekt” überprüfen.

Ebenfalls erfolgreich arbeiten kann man mit sog. Ultraschall-Verneblern, durch die man die Luftfeuchte in einem Terrarium auf 100% steigern kann.

Wer keine Regenanlage oder Nebler besitzt, sollte die Pflanze(n) so schattig als möglich stellen (auch wenn sie als Kultur-Bedingung viel Licht brauchen), da sie sonst natürlich viel zu schnell austrocknen.

Diese Phase dauert je nach Pflanzen-Art unterschiedlich lang, im schlimmsten Fall mehrere Wochen. Bei bestimmten Pflanzen sterben die submersen Blätter unweigerlich ab, egal was man tut. Die währenddessen neu austreibenden Jungblätter sind in der Regel schon beim ersten Hinsehen anders, sprich ledrig, fester. Früher oder jetzt kann man die Luftfeuchte herab setzen, soweit bis das gewünschte Millieu des Terrariums wieder hergestellt ist. Die Gewöhnung an stärkeres Licht sollte ebenfalls langsam geschehen…

2. “passive Umkultivierung”– Viele Produzenten liefern ihre Pflanzen in kleinen netzartigen Plastiktöpfen. Diese sind ideal für unsere Zwecke: man entfernt vorsichtig die Steinwolle und wickelt Javamoos um die Wurzeln oder füllt den Topf mit nicht-faulender Erde (Torf, Kokoshumus, Zusätze wie Kiesel oder Lavagranulat verhindern Wurzelfäule).

Als Umgebung eignen sich eine Vielzahl von Behältern, transparente sind vorzuziehen. Nimmt man sich eine grössere Anzahl Pflanzen vor, ist ein kleines Aquarium oder Terrarium (hier Lüftungsflächen verkleinern!) gut, möchte man auch optische Reize setzen, sind Glasvasen gut.

Immer ist wichtig, dass Blätter nicht an den Wänden anliegen, da diese so schnell vergammeln.

Oben offene Behälter kann man provisorisch mit Frischhaltefolie bespannen, welche an mehreren Stellen durchlöchert ist (am besten an den durchhängenden Stellen, dass das Transpirationswasser abtropfen kann).

Cryptocoryne albida emers

Diese “Installation” kann hell stehen, evtl. wenige Minuten täglich direkt von Sonne bestrahlt werden… je nach Pflanzenart.
Nun füllt man soviel Wasser ein, dass der Wurzelbereich submers steht.
Ab diesem Moment ist im Prinzip die Arbeit getan.

Verdunstet zu viel Wasser, schüttet man neues hinzu. Verdunstet zu wenig, schüttet oder saugt man regelmässig ab. Empfindliche Pflanzen sollten regelmässig kurz belüftet werden. Gegen Ende kann man den Deckel oder die Folie an einer Stelle offen lassen…. Bald kann man seine neue Terrarienpflanze in ihre neue Umgebung umsetzen oder sie sogar als Zimmerpflanze arrangieren.

Umkultivierung von Moosen

Eher einfach, aber interessant ist das Experimentieren mit Moosen. Oft unnötig, da viele “spezielle Aquarienmoose” bei uns im Wald schon emers wachsen. Ungeschützte Arten kann man in kleinen Mengen entnehmen und an das Terrarienklima gewöhnen (dazu kommt noch eine extra Bericht).

Um ein neu eingerichtetes Terrarium schnell grün zu bekommen, können -je nach Substrat- Aquarienmoose einfach ausgelegt werden. Faustregel: Je nasser aber heller, desto besser. Schnellwachsende Arten kriechen sogar ganz von selbst aus dem Wasser, z.B. über Wurzeln.

In Umkultivierungsgefässen lassen sich Moose auf z.B. Seram*s oder Lavagranulat auslegen.

Leider sind einige der aquaristisch angebotenen Moose, vor allem Riccia fluitans oder Monosolenium tenerum in der emersen Form sehr langsam wachsend. Hier empfiehlt es sich, gleich die gewünschte Menge zu besorgen und auszubreiten.

Bis auf einige Fissidens-Arten sind eigentlich alle angebotenen Moosarten auch zur emersen Kultur geeignet. Interessant ist, dass es nicht viele Liebhaber gibt, die sich mit diesem Thema genauer befasst haben scheinen; oft findet man in Terrarien nur “gewöhnliches Javamoos”…

Besonderheiten:

– Man kann die “aktive Umkultivierung” als die sichere, die “passive Umkultivierung” dafür als die einfachere bezeichnen.

– Einige Aquarienpflanzen sind in natürlicher Wuchsform Epiphyten. Solche sollten auf Holz gebunden werden oder in besonders durchlässiges Substrat gesetzt werden.

Bei der aktiven Umkultivierung sind die am besten geeigneten Stellen solche, an denen der Wasserteil und Landteil ineinander übergehen (Sumpfbereich) oder ein evtl. vorhandener Wasserlauf oder -Fall.

– In jedem Fall ist es dienlich, sich im Vornherein über die Zielart belesen zu haben. Einige (wenige) Arten eignen sich nicht zur emersen Kultur.

– Viele Arten bilden nur in emerser oder semiemerser Form Blüten (auch umgekehrt). Obwohl die meisten Blüten eher unscheinbar sind, können sie trotzdem ein faszinierendes Schauspiel werden!

Links:

Heimbiotop.de (Übersicht geeigneter/ungeeigneter Arten) Durch Wartungsarbeiten ist es momentan schwer an komprimierte Informationen zu gelangen; Man muss sich Zeit nehmen!

maskinu (japanisch, nur Fotos zu gebrauchen)

Englischer Artikel über die Umkultivierung von Hemianthus callitrichoides

aquamoss.net (englisch, Bestimmung von aquaristischen Moosen)

Artikel eines Aquaristikforums mit schönen Fotos

Artikelreihe aus dem Forum. Vielleicht nicht sonderlich neu, aber mit vielen Infos und vor allem Erfahrungswerten.

Eine kleine Liste geeigneter Aquarienpflanzen:

Diese Pflanzen sind allgemein als gute „Anfängerarten“ zu empfehlen.

Anubias barteri

Anubias minima

Anubias nana

Cryptocoryne albida

Cryptocoryne parva (Zwergwasserkelch)

Cryptocoryne wendtii

Achtung: Einige Cryptocorynen sind reine Unterwasserpflanzen, wie z.B. C. aponogetifolia!

Glossostigma elatinoides

Hydrocotyle leucocephala

Hydrocotyle sibthorpioides

Hydrocotyle vericilliata

Hygrophila corymbosa

Limnophylia aromatica

Marsilea spec.

Microsorum pteropus

Myriophyllum aquatica

Artikel überarbeitet am 26.11.2009: Liste gut geeigneter Pflanzen und weitere Links hinzugefügt.

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