Von: Jan
Am: 30. Oktober, 2009

Ein typischer Bestandteil eines dicht bewachsenen tropischen Terrariums: Farne.

Sie gehören zur Gruppe der Gefässsporenpflanzen (Pteridophyta), vermehren sich also durch Sporen. Meist an den Unterseiten der älteren Wedel befinden sich die Sporangien, welche man als „Samenpakete“ verstehen kann. Reife Sporen sind in der Regel hell- oder goldbraun.

Tipp:
Sammle die reifen Sporen mit einem Borstenpinsel oder einem sterilen Messerchen ab und verteile sie auf dem Terrariumboden, mit etwas Glück vermehrt sich der Farn dann ohne weiteres zutun. Die besten Bedingungen für das Keimen sind: dauerfeucht und gut beleuchter Bodengrund. Zeigen sich die ersten Keimlinge (die Prothallien sehen aus wie Lebermoos), ist es zwingend notwenig dass die Erde nie austrocknet, sind die ersten aufrechten Wedel zu erkennen, darf das Substrat zwischenzeitlich wieder abtrocknen.

Licht

In der Terraristik werden tropische Farne oft als Schattenpflanzen eingesetzt, wobei man deren Lichtbedarf, gerade bei Kunstlicht nicht unterschätzen darf. Hat man wenig Erfahrung mit trop. Farnen, sollte man sie zuerst mitsamt Topf (Achtung bei gedüngter Erde aus dem Baumarkt!) ins Becken stellen und das Wachstumsverhalten einige Zeit lang beobachten.


Tipp:
Wachsen die jungen Wedel auffällig länger, dünner und gleichmässig blasser – sollte man sie an eine hellere Stelle umsetzen. Umgekehrt zeigt sich durch Vertrocknen der Triebspitzen und/oder fleckige Farbveränderungen (Verbrennungen) ein zu heller Standort an.

Feuchtigkeit und Substrat

Ausgenommen weniger xerophytischer (trockenheitstoleranter) Farne sind die meisten Arten auf stetige Feuchtigkeit, tropische Arten zudem auf hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Staunässe sollte dennoch vermieden werden und wird nur von (in Natur) semiemers wachsenden Arten und dann auch nur zeitweise, vertragen. Semiemerse Farne wachsen in freier Natur z.B. an und in Wasserfällen, an temporär überfluteten bzw. austrocknenden Stellen. Solche Arten sind oft sehr anpassungsfähig und lassen sich in nahezu alle Richtungen umkultivieren.

Auch das passende Substrat wird vom Naturstandort abgeleitet.

Rein epiphytische Farne (z.B. Microsorum und Microgramma) begnügen sich mit nährstoffarmen Substrat, müssen dann aber über das Wasser mit Nährstoffen versorgt werden. Blumendünger ist für Farne wenig geeignet, da die Nährsalze zu Verbrennungen an den Wurzeln führen können. Regenwasser oder durch schwache Aquariendünger angereichertes kalkarmes Leitungswasser sind ideal.

Tipp:
Ein in freier Natur epiphytisch (auf Bäumen) wachsender Farn kann im Terrarium auch in Erde wachsen, und normalerweise in Erde wachsende Arten/Exemplare kann man auch aufbinden. Aufgebunden werden Farne am besten mit lebendem (Achtung Krabbeltiere!) oder totem (sterilisiertem) Waldmoos, Sphagnummoos oder „Javamoos“. Schnell wachsende Arten können sogar einfach „angeheftet“ (z.B. mit Blumendraht oder Zahnstochern) oder in Astachseln gesteckt werden.

Tipp:
Hier seien auch die verschiedenen biologischen Felsbeschichtungsmassen wie „RFB (Rainforestbackground)“, das frühere „PeatWall“ und vergleichbares, erwähnt. Alle Farne wachsen sehr gut auf solchen, auf Torf basierenden Flächen, ohne dass man die Wurzeln eingraben muss. Hat sich der Farn an einen solchen Untergrund ersteinmal gewöhnt, entstehen sehr interessante Wurzelformationen auf der Oberfläche, frei liegende feinste Wurzelhärchen oder sogar Stolonen – Jungfarne um eine Mutterpflanze herum.

Kletterfarne, die Anspruchsvollen

Kletterfarne haben oft behaarte kriechende Rhizome und ungefiederte Wedel (Blätter), auch sukkulente Blätter (Pyrrosia piloselloides) kommen vor.

Farne die relativ teuer sind, welche man im normalen Handel eher nicht bekommt, und die unter Umständen sehr zickig sein können. Sie wachsen langsamer und benötigen oft ein nur aktiv zu haltendes Gleichgewicht an (Luft-)Feuchtigkeit und Licht.

Tipp:
Kletterfarne der Gattung Microgramma lieben direktes Leuchtstoffröhren-Licht (nicht näher als 25cm!), lebendes Moos oder RFB als Untergrund und tägliches Besprühen mit kalkarmem Wasser.

Diese anspruchsvollen Pflanzen werden aber vor allem dann attraktiv, wenn man ihre Vermehrungsweise mit der der „normalen Farne“ vergleicht: Sie lassen sich durch Abschneiden eines Rhizomstückes leicht vermehren.

Zwar lassen sich die „normalen“ Farne auch durch Teilung vermehren, jedoch wird dafür ein Pulk benötigt, also eigentlich keine Mutterpflanze, sondern mehrere dicht zusammen wachsende Exemplare. Ein Asplenium nidus lässt sich nicht teilen, und die gezielte Vermehrung durch Sporen ist für uns Hobbyisten unter Umständen -gewollt- so gut wie nicht durchführbar. Wenn auch nicht gerade A. nidus, so gibt es doch einige Farnarten, deren Sporen mitunter Jahrzehnte benötigen um ihre ersten grünen Prothallien zu entwickeln!

Tipp:
Bei der nächsten Exkursion in den BotGa frage freundlich den Zuständigen im „Farnhaus“ ob du eine Probe eines Kletterfarnes bekommst. Teilstücke mit mindestens 3-4 Blättern werden benötigt (lieber von einer Art 3 Stück als von drei Arten 1 Stück). Binde sie mit einer handvoll Javamoos auf ein Stück Kork oder Xaxim (Man kann normalen Gummi zum Aufbinden nehmen; Naturgarn oder -Schnur hat den Vorteil, dass es sich rechtzeitig zersetzt hat – dann wenn die Wurzeln die Pflanze halten können). In der ersten Phase ist es wichtig dass die Pflanze nicht austrocknet und die mechanische Belastung minimal ist (Terrarientiere)! Das schon erwähnte Licht-Feuchtigkeits-Gleichgewicht sorgt dann dafür, dass sich aus den Ablegern innerhalb weniger Monate ein kleiner Teppich entwickelt.

Eine kleine Liste gut geeigneter Farne:

submers bis emers

Bolbitis heudelotii („Kongo Wasserfarn“) *

Bolbitis heteroclita (etwas seltenere Art aus Asien) *

Ceratopteris ssp. („Hornfarne“) *

Marsilea ssp. (kriechende Minifarne die wie Klee aussehen) *

Microsorum pteropus („Javafarn“) *

Trichomanes javanicum *(Achtung: nie rein submers pflanzen!)

Boden und Uferzone

Adiantum ssp. **(„Frauenhaarfarne“ Achtung: Einige sind so zierlich, dass Tautropfen die Wedel zu Boden drücken können!)

Asplenium adiantum-nigrum (In Europa draussen im Wald zu finden)

Asplenium aethiopicum

Doryopteris ssp.

Pteris ssp. **

Selaginella ssp. **(„Moosfarne“, eigentlich keine Farne sondern Pteridophyten)

Epiphyten

Asplenium antiquum **

Asplenium nidus

Davallia ssp. (wächst schnell) **

Microsorum diversifolium **

Microsorum thailandicum

Platycerium ssp. (werden schnell sehr groß!) **

Polypodium ssp.

Pyrrosia ssp., z.B. longifolia

Kletterfarne

Lygodium ssp., z.B. japonicum (aufrecht rankende Spezies -benötigt Rankhilfe)

Microgramma squamulosa

Micrgramma tecta variegata nana

Microgramma ssp.

Pleopeltis ssp.

Pyrrosia lingua

Pyrrosia nummulariifolia (Miniaturfarn)

Pyrrosia piloselloides (Miniaturfarn)

* Im Aquaristikhandel erhältlich.

** Im Gartenfachhandel oder Baumarkt erhältlich.

Wenn sie Fragen oder Kritik haben, Kommentare sind herzlich willkommen!

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