Von: Jan
Am: 16. Januar, 2013

Die edle und teure Rarität unter den Terrarienpflanzen

Taxonomie
Lycopodiales, in Deutschland „Bärlappe“ genannt, sind die 1. Ordnung der Klasse Lycopodiatae (Bärlappgewächse), zu der auch die erste erfolgreiche (aber heute ausgestorbene) Gruppe der Landpflanzen gehört, die Lepidodendrales. Weitere Ordnungen sind: Selaginellales (Moosfarne, Familie Selaginellaceae, Gattung Selaginella), Isoetales (Brachsenkräuter, Familie Isoetaceae, Gattung Isoetes), und die ebenfalls ausgestorbenen Protolepidodendrales [1].

Kulturelle Bedeutung

Bärlappe sind in nicht terraristischen Kreisen wohlbekannt:
Die getrockneten, leicht entzündlichen Sporen (Verpuffungseffekt) wurden und werden z.B. in China zur Herstellung von Feuerwerkskörpern verwendet. So werden sie auch in der modernen Pyrotechnik genutzt, für kostenaufwändige aber sichere Effekte im Innenbereich. Oder auch als wenig schädliche Methode zum „Feuerspucken“.

Verschiedene Bärlappe fanden und finden in schamanischen Ritualen von Naturvölkern Verwendung, Huperzia phlegmaria soll von den Ureinwohnern Australiens als Aphrodisiakum verwendet werden.

Der einheimische Lycopodium clavatum wurde schon von unseren europäischen steinzeitlichen Vorfahren als „magisches Amulett“ getragen, als Gürtel verwendet, und war schamanisch medizinisch bekannt.

Man kennt die Sporen oder Pflanzenextrakte also schon seit langem und sie werden immernoch angewendet in traditioneller und homöopathischer Medizin, z.B. als Wundheilmittel und gegen Leberleiden. In der Tierhomöopathie werden Bärlapp-Präparate unter anderem bei Erkrankungen des Verdauungstraktes bei Hunden angewendet.

Huperzin A, ein Alkaloid das in Huperzia selago und Huperzia serrata gefunden wurde, wird experimentell in der modernen Humanmedizin zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit eingesetzt [2].

Herkunft

Bärlappe kommen auf der ganzen Welt vor, von Asien, den amerikanischen Kontinenten, Europa, bis in die arktischen Florengebiete. Die höchste Artenvielfalt findet man in den tropischen Regionen.

In Deutschland (und auch dem restlichen Mitteleuropa) sind vier Bärlapp-Arten bekannt. Alle stehen unter besonderem Schutz:

Lycopodium annotinum – Schlangenbärlapp

Rote Liste Deutschland: ungefährdet (2009)
BArtSchV: besonders geschützt
BNatSchG: besonders geschützt

Lycopodium annotinum mit Sporenständen

Lycopodium annotinum Sporenstände

Lycopodium clavatum – Keulenbärlapp oder Wolfsklaue (oder einer der anderen sehr vielen Trivialnamen für diese Art)

Rote Liste Deutschland: gefährdet (1996)
BArtSchV: besonders geschützt
BNatSchG: besonders geschützt

Lycopodiella indundata – Sumpfbärlapp

Rote Liste (Deutschland): gefährdet (1996)
BArtSchV: besonders geschützt
BNatSchG: besonders geschützt

Huperzia selago – Tannenbärlapp (sieht den bekannten tropischen Arten sehr ähnlich, wächst allerdings bevorzugt terrestrisch im Gegensatz zu den meist epiphytischen tropischen Arten)

Rote Liste Deutschland: ungefährdet (1996)
BArtSchV: besonders geschützt
BNatSchG: besonders geschützt

Huperzia selago

Huperzia selago

Bärlappe sind Indikatoren für Umweltveränderungen oder -Verschmutzungen. Sie sind in Deutschland selten geworden, weil ihr Lebensraum während der Industrialisierung stark zurück ging und auch heute noch durch Agrar- und Forstwirtschaft schwindet.
Der gesetzliche Schutz hängt allerdings auch damit zusammen, die Sporen vor Raubbau der Industrie und sonstiger Verwendungsweisen zu schützen.

Bärlappe im Terrarium

Da
1. die Entnahme aus der Natur verboten ist und
2. das benötigte (Micro-)Klima nicht ausreichend bekannt oder nur sehr schwer simulierbar ist
haben einheimische Bärlappe in Terrarien nichts zu suchen. Auch Eigenexperimente (an sich und an Haustieren) zu medizinischen Zwecken sollte man lieber nicht in Betracht ziehen!

Glücklicherweise findet man was die Haltung von einheimischen Bärlappen betrifft, wunderbare Alternativen. Manche tropische Bärlappe sehen den einheimischen sehr ähnlich:

Huperzia selago sieht wie eine dunkle, kleinwüchsige Version von Huperzia squarrosa aus – H. squarrosa ist mittlerweile recht gut im Terraristikhandel vertreten.
Lycopodium clavatum kommt in mehreren Unterformen sogar in den südostasiatischen, tropisch afrikanischen sowie südamerikanischen Hochländern vor, mit etwas Glück könnte man im Handel, von Sammlern oder in einem Botanischen Garten an solche Exemplare heran kommen…

Eine gute Anzahl an rein tropischen Arten findet man mittlerweile im Terraristikhandel oder auf Börsen.

Tipp:
Auf Orchideenmessen bieten ausländische Aussteller regelmässig Bärlappe als sog. Begleitpflanzen an. Hier muss jedoch unbedingt auf Allgemeinzustand und besonders auf genügend Wurzelwerk geachtet werden, da manche Exemplare aussehen als wären sie „gerade eben vom Baum gepflückt worden“.

Trotz alledem bleiben die tropischen Bärlappe eine edle und teure Rarität unter den Terrarienpflanzen.

Aussehen

Bärlappe können in zwei terraristisch relevante Gattungen unterteilt werden: Die Arten der Gattung Huperzia und die der Gattung Lycopodium. Die wissenschaftlichen, vor allem genetischen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Lycopodiaceae und Huperziaceae sind immernoch nicht eindeutig geklärt [3].

Im Vergleich zu einheimischen Bärlappen, welche überwiegend terrestrisch und kriechend wachsen und vor intensiver Landwirtschaft ganze Felder in Europa ausgebildet hatten, sind der Großteil der trop. Bärlappe Epiphyten. Sie hängen wie Tillandsia usenoides in Amerika oder Platycerium-Arten in Australien in Baumwipfeln oder an Ästen von Bäumen herab.

Als typisch für die Gattung Huperzia wird in neueren Aussagen ein gabeliges Verzweigen der Stammspitzen beschrieben. Das heisst, dass sich ein älterer Trieb (Stamm) an dessen Ende in mehrere Einzeltriebe aufteilt. Bei H. squarrosa sind dies meist nur 2 bis 3 Einzeltriebe, die sich selbst wiederum in wenige aufteilen können. Bei anderen Arten wie zum Beispiel Huperzia hamiltonii, Huperzia pinifolia oder Huperzia salvinioides können diese Gabelungen vielzählig auftreten.

Ältere Pflanzen können an den Stammspitzen ein völlig anderes Aussehen entwickeln, flach beblätterte Stämme spreizen ihre Blätter am Ende plötzlich stark aus, oder die gespreizt angeordneten Nadelblätter beginnen plötzlich flach anzuliegen. Diese Formen zeugen höchstwahrscheinlich von der Vermehrungsbereitschaft der Pflanze, denn bei den meisten Arten tragen diese Formen die Sporenpakete, bzw. treten nun erstmals die fertilen Blättchen auf (Sporophylle).

Zu einheimischen Bärlappen ein Zitat von Wikipedia:

Oberhalb einer blattarmen Region wird ein dichter, ährenförmiger Sporophyllstand (Blüte) gebildet. Dabei wird der Sprossscheitel aufgebraucht, es ist kein weiteres Wachstum dieses Sprosses mehr möglich.

Hier geht es wohl um die Gattung Lycopodium, denn Huperzia selago weist diese Merkmale so nicht auf.

Bei der Art Huperzia phlegmaria, sowie bei „H. spec. Borneo“ wirken blattarmer Bereich und Sporophylle vereint. Desweiteren wachsen sie stetig weiter, obwohl die Sporenpakete schon deutlich sichtbar sind.

Für die generative Vermehrung ist hier anzumerken, dass sich die Sporenpakete nicht öffnen, solange in dieser Zeit die Luftfeuchtigkeit nicht deutlich absinkt.

Ich versuche nun das allgemeine Aussehen anhand verschiedener Arten zu beschreiben:

Die weniger sukkulent wirkenden Arten:

Die in der Terraristik bekannteste Art Huperzia squarrosa ähnelt mit seinen dicht spiralisch angeordneten, gespreizten, nadelförmigen aber weichen Blättchen (Microphylle) auf den ersten Blick stark einem „hellgrünen Tannenzweig“. H. squarrosa wurde von uns schon als Steckbrief beschrieben: Huperzia squarrosa.

Huperzia spec. Sporangienstände

Lycopodium spec. „Borneo“ (bensjungle.de), Huperzia phlegmarioides und Huperzia megastachya wirken sukkulenter als H. squarrosa, besitzen aber ein ebenso frisches Hellgrün. Unterscheiden sollte man diese Arten vordergründig an deren Herkunftsangaben: H. phlegmarioides kommt von den Maluku Inseln in Indonesien über die Fiji Inseln bis Australien (Queensland) vor, H. megastachya ist endemisch in Madagaskar. Mein Exemplar von H. megastachya bildet keine solch ausgeprägten Sporangienstände, wie H. phlegmarioides. Der Stamm des H. phlegmarioides scheint deutlich dünner und sich eher rotbraun zu verfärben.

Huperzia salvinioides wird nach meinem Wissen nicht im europäischen Handel angeboten (Orchideenmessen evtl. ausgenommen). Eine freie Übersetzung der Beschreibung von: Rareferns.com

Huperzia salvinioides ist eine kleine bis mittelgrosse Art. Sie wirkt wie eine Miniaturausgabe von H. phlegmaria. H. salvinioides kann einen wunderschönen, buschigen Habitus erreichen, und wird auch „philippinischer schwarzstämmiger Lycopodium“ genannt.

Die sukkulenter wirkenden Arten:

Huperzia tetrasticha könnte auf den ersten oder ungeübten Blick mit einem epiphytischen Kaktus (z.B. Rhipsalis) verwechselt werden. Dessen flach anliegende Blättchen geben ihm das Aussehen von vierkantigen (griech. tetra = vier) Stämmen, die auch mehrfach schraubenartig verdreht sein können. H. tetrasticha hat ein sattes eher dunkleres Grün:

Huperzia tetrasticha

Huperzia carinata besitzt im Vergleich zu H. tetrasticha deutlich weiter auseinander wachsende, abstehende, schmale, spitze, dunkelgrüne Nadelblättchen. Was ihm durch seinen blassen Stamm ein gesamt gesehen, gräuliches Grün verleiht.

Die ovalen zugespitzten, dunkelgrünen, glänzenden Blättchen von Huperzia nummulariifolia wirken wie Reptilienschuppen, oder geflochtenes Seil. Der Steckbrief dieser Art ist hier zu finden: Huperzia nummulariifolia.

Diese optischen Unterschiede sind übrigens -oder selbstverständlich- auch für die Haltung von Belangen, da die sukkulent oder xerophytisch aussehenden auch tatsächlich trockenere Zonen bewachsen können – jedoch nie so trockene wie die meisten Rhipsalis es können!

Haltung

In der Terrarienhaltung sind die trop. Bärlappe „etwas schwieriger als schwierige Farne“. Sie wachsen langsam und benötigen ein diffiziles Zusammenspiel an hoher Luftfeuchte und Frischluft, hohe Lichtstärke aber wenig Leuchtmittelabwärme. Die Temperatur ist nur dann entscheidend, wenn sie sich in ein Extrem bewegt – im Terrarium also untergeordnet.

Einige Arten werden so gross, dass sie dauerhaft nur fürs Gewächshaus oder den tropischen Wintergarten geeignet sind. Besonders erwähnenswert ist hier Huperzia goebelii, der „legendäre blaue Lycopodium“ der über 250cm Länge erreicht und im Preis von keinem anderen geschlagen wird (mehrere Hundert, bis deutlich über 1000 US Dollar pro Exemplar). Huperzia squarrosa kann über 100cm Trieblänge erreichen und wenn man damit mehrere Jahre Freude haben möchte, sollte man ihm ein Terrarium mit bis zu 200cm Höhe oder gar mehr bereit stellen.

Lycopodium in freier Natur (c) wistuba.com

Im tropischen Terrarium sind folgende Zonen für Bärlappe geeignet:

Terrestrisch an erhöhten Stellen, zum Beispiel mit humosem, durchlässigem aber feuchtigkeitsspeicherndem Substrat in einer „Felsnische“ einer Rückwand oder einfach in einem Hängetopf. Es ist darauf zu achten, dass dieses Substrat immer eine leichte Feuchte aufweist, sukkulent aussehende Arten können kurzzeitig abtrocknen oder durch erhöhtes Besprühen alleine über die Blätter mit Feuchtigkeit versorgt werden.

Rein epiphytisch, zum Beispiel mit etwas (am besten lebendem) Moos an einem Terrarienast festgebunden. Das Moos sollte eine gewisse Mindestdicke aufweisen, damit der Ballen nicht zu schnell abtrocknet. Um eine ausreichende Nährstoffversorgung zu gewährleisten, ist empfehlenswert dem Wurzelballen etwas humoses Substrat zuzugegeben, bevor er in das Moos gewickelt wird.
Das Anbringen des Wurzelballens unter einer Astgabelung ist empfehlenswert.

Sollte ein Wasserfall im Terrarium vorhanden sein, der lange genug senkrecht verläuft, fühlt sich ein Lycopodium direkt darüber sehr wohl. Dann ist jedoch wichtig, dass er mehr Licht abbekommt als an einer anderen Stelle: das Mehr an Wasseraufnahme muss „verstoffwechselt“ werden. Ausserdem sollten die herabhängenden Triebe nicht zu viel Spritzwasser abbekommen.

Als Faustregeln, egal in welcher Terrariumzone, gelten:

Boden/ Substrat

Versuchen sie so wenig Wurzeln wie nur möglich zu beschädigen, wenn sie die Pflanze ins Terrarium einbringen. Das Beschädigen von Wurzelmaterial kann zu einer längeren Wachstumspause, einem Wachstumsstillstand oder zum Absterben der Pflanze führen.

Belüftung

Je näher die Pflanze an einer Lüftung sitzt, umso besser. Wird das Terrarium mechanisch (z.B. Computerlüfter o.ä.) belüftet, kann diese Luftumwälzung sich sehr positiv auf das Gedeihen eines Lycopodium auswirken.
Die erhöhte Frischluftzufuhr darf die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark beeinflussen oder es sollte darauf geachtet werden, daß die Position der Pflanze zusätzlich, aktiv mit Luftfeuchtigkeit versorgt wird (gesondertes Besprühen).

Licht

Durch subjektive Erfahrungen von mir, dem Verfasser des Berichtes, postuliere ich daß sich T5- und T8 (Vollspektrum-) Röhren als Beleuchtung am besten eignen, da sie intensives aber nicht heisses Licht abgeben. So kann die Pflanze sogar mit einem so geringen Abstand wie 15cm unter der Röhre sitzen, ohne dabei Verbrennungen davonzutragen. Diese Lichtintensität ist sogar empfehlenswert.

HQI-Leuchten und moderne Mischlichtlampen haben eine höhere Lichtausbeute, geben aber recht starke Abwärme. Daher sollte ein Lycopodium von einer solchen Lichtquelle mit maximal 70 Watt mindestens 30cm entfernt sitzen. Das qualitativ hochwertige Licht dieser Leuchtmittel ist ebenfalls erste Wahl bei der Kultur von Bärlappe im Terrarium und vor allem in der kalten Jahreszeit bei der Kultur im Gewächshaus oder trop. Wintergarten.

HQL sowie Halogen sind eher nicht geeignet, da sie deutlich zu viel Abwärme im Verhältnis zur Lichtabgabe besitzen.

Temperatur

Für die vielen terraristisch geeigneten Arten gibt es keine Faustregel was die nötige Temperatur betrifft. Am besten lassen diese sich vom Naturstandort ableiten. Wie bei allen tropischen Pflanzen gilt allerdings: je wärmer, desto mehr Feuchtigkeit und je mehr Feuchtigkeit umso mehr Licht muss zugeführt werden.

Düngung

So wie bei nahezu jeder Terrarienpflanze sollte es nicht nötig sein separat zu düngen. Gutes Sprühwasser (also nicht vollentsalztes und auch nicht mineralisch sich im Ungleichgewicht befindendes, also verkalktes Wasser) dürfte die beste Düngung sein. Terrarientiere sorgen mit ihren Ausscheidungen für zusätzliche Nährstoffe.

No-Go

Plätze im Terrarium, die keiner direkten Lichtbestrahlung ausgesetzt sind oder gar wirklich dunkel sind.

Sumpfiges Substrat (ausser es handelt sich um eine Art, die dies vom Naturstandort her gewöhnt ist).

Auch wenn manche Jungpflanzen aufrecht wachsen, sind sie nicht für die Bodenbepflanzung geeignet! – Die jungen, aufrecht wachsenden Triebe beginnen mit zunehmender Länge überzuhängen, alte Triebe hängen fast senkrecht hinunter. Liegen sie dann „klimatisch ungelegen“, stimmt also das Klima für das Absenken nicht, ist Fäulnis zu erwarten.
Auf dieses Absenken wird im kommenden Abschnitt eingegangen.

Vermehrung

Bärlappe vermehren sich in der Natur generativ, also über Samen (Sporen). Aber auch vegetativ, durch Umwelteinflüsse (Abbrechen durch mechanische Belastung oder Wettereinflüsse).

Es heisst, dass Bärlapp-Sporen nur dann keimen, wenn sie Symbiosen mit Pilzen (Mykorrhiza) und Bakterien eingehen können, eine andere, nicht verifizierte Quelle besagt dass die Sporen nach dem Aussähen absolute Dunkelheit benötigen. Klar jedoch ist, dass auf diesem Gebiet sehr, sehr wenige Erfahrungen vorhanden sind und die äußerst spärlichen Angaben die man hat, eine generative Vermehrung eher in den Hintergrund stellen.
Wer dennoch daran interessiert ist, hier ein Link zu einem Laborversuch, Huperzia selago in vitro zu vermehren (zur Gewinnung von Huperzin A), evtl. könnte man etwas für private Versuche mit anderen Arten ableiten: Somatic embryogenesis and in vitro culture of Huperzia selago shoots as a potential source of huperzine A.

Zur natürlichen generativen Vermehrung ein interessanter Abschnitt aus einem Artikel des Forums FSBio-Hannover über den Entwicklungszyklus von (einheimischen) Lycopodiales:

1. In den Sporangienähren, die von August bis Oktober zu finden sind, entwickeln sich haploide Meio – Isosporen (also Sporen, die durch Meiose entstehen und deren Geschlecht äußerlich nicht zu erkennen ist) und fallen zu Boden.

2. Auf/im Boden legen die Sporen eine Ruhepause ein, die mehrere Jahre dauern kann. Dann keimen sie zu unterirdischen Prothallien (= Vorpflanzen) heran, die sich durch pilzliche Symbiose – Unterstützung (nennt man „Mykorrhiza“ von griech. mykos = Pilz und rhiza = Wurzel) saprophytisch (= von sich zersetzenden Pflanzenteilen) ernähren.

3. Die Prothallien sind monözisch und werden erst nach 12 – 15 Jahren geschlechtsreif. Erst dann können die begeißelten Spermatozoiden (= bewegliche Spermien, erzeugt in den männlichen Antheridien) zum Archegonium schwimmen und eine Befruchtung herbeiführen.

4. Nun endlich, nach über 15 Jahren entwickelt sich aus dem befruchteten Prothallium ein diploider Bärlapp!

Zur Quelle…

Die absichtlich herbeigeführte, vegetative Vermehrung erfolgt über Stecklinge, wobei hier gleich auf ein hohes Ausfallrisiko hingewiesen werden muss. Stecklinge von Bärlappen werden vorzugsweise nicht mit der Schnittstelle in Erde eingegraben, sondern mit ihrem Vegetationspunkt, also mit ihrer Spitze. Geeignete Substrate sind mit einem zusätzlichen Wasserspeicherelement (z.B. Schaumstoffstückchen) versehenes Orchideensubstrat, lebendes Moos (Sphagnum) oder eine Mischung der beiden.

Eine ebenfalls beschriebene Methode ist das Absenken von Trieben der Mutterpflanze. So werden unter eine Mutterpflanze mit oben genanntem Substrat gefüllte Töpfe gestellt, einzelne Triebe sollen dann auf diesem Substrat aufliegen. Bei den nötigen Bedingungen und mit viel Zeit kann es dann passieren, dass einer der Triebe Wurzeln bildet die in das Substrat hinein gehen.

Die nötigen Bedingungen scheinen, wie auch für die generelle Kultur einer Pflanze:
Direktes nicht heisses Kunstlicht (Leuchtsstoffröhren nah oder HQI mit Sicherheitsabstand), moderate Dauerfeuchte aber keine Nässe des Substrates und eine erhöhte Luftumwälzung oder Frischluftzufuhr.

Man hört auch von der Verwendung von Auxinen, potenten Pflanzenhormonen, um die Chancen einer, vermutlich kommerziellen, Nachzucht zu erhöhen.

Die einzige für den Laien wirklich erfolgversprechende Methode ist das vorsichtige Zerteilen der Wurzelballen von (Mutter-)Pflanzen mit einem möglichst sterilen und sehr scharfem Messer. Die Schnittstellen können mit pulverisierter Aktivkohle oder auch Zimtpulver behandelt werden, um möglichen Infektionen entgegen zu wirken.

Schädlinge

Eigentlich wird im Terrarienpflanzen-Lexikon auf dieses Thema nicht eingegangen. Hier jedoch muss man erwähnen, dass sich landbewohnende Schnecken sehr gerne an den Vegetationspunkten (Triebspitzen) von Bärlappen vergreifen, und zwar mit äußerster Vorliebe – andere Pflanzenteile werden scheinbar deutlich seltener „angegriffen“. Wenn die Triebspitzen abgefressen sind, was innerhalb von einer Nacht geschehen kann, stellt die Pflanze im schlimmsten Fall ihr Wachstum für sehr lange Zeit oder gar gänzlich ein. Mein Huperzia megastachya hat nach dem totalen Abfressen der Spitzen über 1 Jahr kein Wachstum gezeigt, danach nur noch frisch aus dem Wurzelballen ausgetrieben – die älteren Triebe stagnieren.

Ich, der Verfasser des Berichtes, habe noch nicht beobachten können, dass sich ein Heimchen, eine Grille oder ein anderes Tier von einem Bärlapp nährt.

Eine kleine Artenliste

mit Arten die im Handel erworben und im Terrarium gehalten werden können:

Huperzia carinata – (häufig) im Handel

Huperzia hamiltonii – (sehr) selten im Handel

Huperzia megastachya – aus Madagaskar, (sehr) selten im Handel

Huperzia nummulariifolia – selten im Handel, sehr interessantes Aussehen, nach Quellenangabe [4] erreicht diese Art eine Trieblänge von über 180cm. Es gibt allerdings mind. 2 Wuchsformen (siehe Steckbrief)

Huperzia phlegmaria – (häufig) im Handel, nach gleicher Quelle erreicht er ebenfalls über 180cm Länge

Huperzia phlegmarioides – selten im Handel

Huperzia pinifolia – (sehr) selten im Handel

Huperzia squarrosa – häufig im Handel, sehr gute Einsteigerart

Huperzia tetrasticha – (häufig) im Handel

Lycopodium spec. „Borneo“ – kleinwüchsige, kletternde Art die L. clavatum sehr ähnlich sieht (sogar dieser Art zugehörig sein könnte), nur bei carnivorsandmore.de gefunden

Lycopodium spec. „Borneo“ – kleinwüchsige, epiphytische Art, nur bei bensjungle.de gefunden, nicht immer im Sortiment

Huperzia spec. „Mexiko“ – kleinwüchsige Art, nur bei bensjungle.de gefunden, nicht immer im Sortiment

Huperzia spec. „Fine Hair“ – kleinwüchsige Art, die H. squarrosa ähnelt; in Deutschland nur bei wistuba.com erhältlich, stammt aus Philippinen, Insel Luzon (Züchter Merlin Sy, pinoyplants.com)

Huperzia spec. „Broom Hair“ – kleinwüchsige Art, Anmerkungen wie bei „Fine Hair“

Diese Angaben sind keine wissenschaftlich belegten Zuordnungen, denn oft wird ein Huperzia Lycopodium genannt und Lycopodium Huperzia. Auf der Suche bei Händlern wäre anzuraten nach beidem zu fragen, z.B. nach Huperzia carinata / Lycopodium carinatum.

Ersatzpflanzen

Nun sollen noch Pflanzen erwähnt werden, die man als Alternativen im Sinne von „optischen Duplikaten“ ansehen könnte:

Selaginella rupestris und Selaginella peruviana – Beide Arten sind die am nähesten mit den Bärlappen verwandte Alternative, finden sich aber leider nur sehr schwer im Handel. Es sind Xerophyten, wachsen sogar lithophytisch. Das heißt sie können keinen Platz im Terrarium, der einem Lycopodium gefallen würde, füllen. Sie haben aber einen sehr an Bärlappe erinnernden Habitus.
S. peruviana wurde hier im Lexikon als einer unserer ersten Steckbriefe beschrieben: Selaginella peruviana

Crassula lycopodioides – Wie man schon am Namen erkennt, erinnert diese Sukkulente aus Südafrika sehr an einen Lycopodium. Meiner Meinung nach sieht C. lycopodioides einem Huperzia carinata am ähnlichsten. Wächst aber terrestrisch und eher kriechend mit aufrechten Trieben, und bleibt viel kleiner. C. lycopodioides benötigt eine sehr trockene Zone im tropischen Terrarium und verträgt sehr starkes Licht. Daher kann diese Art „nur als optischer Ersatz“ verwendet werden, und füllt nicht eine Zone im Terrarium in der sich ein Lycopodium wohlfühlen würde.
Ich habe mein Interesse für Lycopodiaceae durch Crassula lycopodioides gefunden.

Mayaca fluviatilis – Mayaca fluviatilis sieht aus wie ein Huperzia squarrosa in Miniaturform, wächst submers sowie emers und kommt aus Südamerika. Diese Art ist einfach zu halten, bleibt klein genug für ein Standardterrarium (50cm Höhe) und ist vor allem in jedem grösseren Aquaristikshop zu finden. Sie passt in die Terrariumzone der Bärlappe, wobei sie etwas mehr Feuchtigkeit und weniger Licht benötigt.

Schlusswort

Ich habe versucht mit diesem Artikel eine kleine aber dennoch vorhandene Lücke in der Terrarienpflanzen-Internetliteratur zu schliessen.
Alle Fragen konnten ganz sicher nicht beantwortet werden.

Was meinen sie zu diesem Thema?

Denken Sie, dass nur die enormen Preise der Bärlappe dafür verantwortlich sind, weshalb diese so schönen und interessanten Pflanzen so selten in unseren Terrarien vorkommen?

Oder können oder möchten Sie eine der hier gemachten Aussagen wiederlegen oder ergänzen?

Vielleicht möchten Sie auch nur eine weitere Ersatzpflanze vorstellen…?

Links

Eine Artenliste:
Wikipedia: Lycopodium (Danke an Heinz Tessner)

Nähere Infos zu dem Schutzstatus einheimischer Bärlappe:
Bundesamt für Naturschutz
Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz

Artenlisten auf Golatofski.de:
Gattung Huperzia
Gattung Lycopodium

Artenliste auf Checklist of World Ferns:
Huperzia Seite 1
Huperzia Seite 2
Lycopodium

Artenliste auf MIKKO’S PHYLOGENY ARCHIVE:
Huperzia
Lycopodium

MICHAEL HASSLER FLORA:
Checklist of Ferns and Lycophytes of the World

CHARLES ALFORD PLANTS – tropische Pflanzen, viele Farn- und Bärlapp-Fotos:
Rare Ferns – Lycopodium

Englischsprachige Webseite zum Thema Huperzia:
Huperzia Club Moss

Flickr Gruppe „Fern Allies“ (Farnverwandte) mit vielen beeindruckenden Fotos u.a. Naturstandorten:
Fern Allies

Literatur

Epiphytism and terrestrialization in tropical Huperzia Lycopodiaceae

„Die Cultur der einheimischen und exotischen Farnkräuter und Lycopodien“ (Albert Courtin – 1855):
Auf Amazon.de

„BRIBRI – THE FROGGERS JOURNAL NO. 2 – The European Magazine for Rainforest Frogs and Flora“ zu beziehen über bensjungle.de

Quellennachweise

  1. Lycopodiatea auf Botanik Online Zur Quelle… 
  2. Wikipedia Huperzin A Zur Quelle… 
  3. A molecular phylogenetic study of Huperziaceae based on chloroplast rbcL and psbA-trnH sequences Zur Quelle… 
  4. Größenangabe von L. nummularifolium Zur Quelle… 

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